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Caros Praktikum bei Esi - das ganz normale Leben in Dogbo

Dinner mit dem Mädchenhaus
Helen Schlüter
Dom, 24. May 2020

Zwei Monate in das Leben von Benin eintauchen – dazu hatte ich Gelegenheit während meines Praktikums bei ESI, von dem ich im letzten Blogeintrag berichtet habe. Während ich dort v.a. über die Zusammenarbeit mit ESI geschrieben habe, möchte ich diesmal von meinem „ganz normalen“ Alltag in Dogbo berichten.
Ich hatte das Glück während meiner Zeit mit einer Freiwilligen Abiturienten zusammenzuwohnen, die schon seit über einem halben Jahr Benin war. Gemeinsam teilten wir uns ein Haus gleich dem Mädchenhaus von ESI und 15min-Fußmarsch entfernt zum Projektgelände. Geweckt wurde ich häufig meist von Hahnengeschrei, Gesängen/lautem Beten aus der Nachbarschaft, von einem unserer Hunde Ari oder Petit oder einfach nur, weil ich komplett verschwitzt war von den 38-40 Grad Außentemperatur.
Nach meiner allmorgendlichen Yoga-Session (gern begleitet von den Hunden), wurde die verstaubte und verklebte Wäsche mit der Hand gewaschen, Reis für die Hunde gekocht, Wasser für den Tag gefiltert und ein schöner Instant Coffee getrunken. Frisch geduscht machten wir uns dann gemeinsam mit Ari und Petit auf den Weg zur Arbeit und waren nach fünf Minuten meist schon wieder schön nass geschwitzt. Alle Leute, darunter viele Schüler auf dem Weg werden gegrüßt und hier und da ein kleiner Snack gehalten. Nach den ersten paar Stunden im Büro, in Meetings oder unterwegs, war Zeit für eine ausgedehnte Mittagspause. Meist aßen wir in der Cafeteria auf dem Gelände, und zwar den Klassiker scharfe Spaghetti mit Omelette! Manchmal ging es auch weiter für Reis mit Fisch oder Bohnen oder natürlich für das berühmte Pate bzw. Akassa (eine Art Paste aus Mais) mit tomaten- oder erdnussbasierter Soße und Fleisch. Ab und zu wurde für alle Mitarbeiter essen gekauft und wir aßen gemeinsam von einem großen Teller mit den Händen wie es in Benin üblich ist.
Nach Feierabend fuhren wir zwei Mal die Woche zum Markt um dort all unsere Nahrungsmittel, Kosmetika, Stoffe zum Schneidern und vieles mehr was man in Benin zum Leben braucht, dort frisch einzukaufen. Vom Markt wurde ja schon in anderen Blogbeiträgen berichtet, daher jetzt hier keine weitere Ausführung, aber ich hätte am liebsten jedes Mal ein Video inkl. Geruchsaufnahme gemacht, um dieses vibrierende und faszinierende Treiben einzufangen! An anderen Tagen ging es zum Schneider, zum Abendessen in unsere Lieblingsrestaurants oder auch zu Besuch bei einer unserer Mamas. In Benin werden ja alle Mütter bzw. älteren Frauen liebevoll als Mama angesprochen. Jüngere Frauen nennt man Tata und die Männer Fofo. Unsere Mamas luden uns regelmäßig zum Essen ein und es gab die tollsten beninischen Speisen im Übermaß und dazu gern selbstgemachten Zitronen- oder Hibiskussaft.
Was auf jeden Fall immer zu unserer Abendroutine gehörte, war der Besuch im Mädchenhaus. Zu unserer Zeit lebten dort zwei Schülerinnen und eine Auszubildene. Manchmal wurde nur ein bisschen gequatscht, an anderen Tagen aßen wir zusammen, schauten einen Film und lachten immer viel. Oft kamen noch Freunde zu Besuch, häufig eine andere Freiwillige aus den USA, mit der wir auch viel Zeit verbrachten und die nach 1,5 Jahren eine echte Dogbo/Beninexpertin war und mir viel Wichtiges erklärt und viel erzählt hat aus ihrer Zeit. Sie weiß jetzt schon, dass sie nicht mehr in den USA leben möchte und kann.
Wichtiger Bestandteil des beninischen Lebens ist das Feiern! V.a. Beerdigungen werden mit hunderten und über Tage gefeiert und es viel Geld investiert. Dazu gehört es auch den passenden Stoff des Anlasses zu kaufen, den einen die Gastgeber mitteilen und sich daraus etwas für das Event schneidern zu lassen. Es wird ausgelassen gesungen, getanzt und gern der ein oder andere Sodabi- getrunken (sehr hochprozentiger Schnaps aus Palmwein).
Bis auf den Part mit dem Sodabi, war die Stimmung sonntags früh in der Kirche, welche ich dort einmal in Begleitung besucht habe, ähnlich ausgelassen und man hatte das Gefühl von der Musik und der Energie in dem Raum ganz und gar umhüllt zu werden. Drei Stunden lang wurde hier lautstark gebetet, gesungen und getanzt, wobei ich ehrlicherweise kaum etwas verstand…
Neben unserem Alltag in Dogbo, hatte ich auch das große Glück Teile der Reise der Benin-Reisegruppe aus Münster, die Ende Februar eintrafen, mit zu begleiten und war dadurch in Cotonou, Ganvie und den Orten im Norden des Landes. Was dort alles Wundervolle und Wundersames passiert ist, könnt ihr in dem dazu gehörigen Blog-Beitrag lesen.
Natürlich hat jede Reise in einer anderen Welt auch seine Herausforderungen. Mich hatte es dummerweise doch tatsächlich schon in der ersten Woche mit Malaria erwischt und so hatte ich Gelegenheit auch die lokalen Krankenhäuser kennenzulernen. Auch gab es andere Vorfälle vor Ort mit kritischen Krankheiten und Problemen von Freunden oder Bekannten. Mit einer Mama haben wir oft über das Thema geschlechtliche Gleichberechtigung gesprochen und mit Kollegen und Freunden intensive Diskussionen über Polygamie, Kolonialismus und Entwicklungszusammenarbeit geführt. Selbstverständlich ist jedes Thema für sich viel zu komplex, um es in diesem kleinen Blogbeitrag anzudiskutieren, aber ich möchte nur andeuten, dass so ein Aufenthalt wie das ganze Leben selbst sehr viele unterschiedliche Facetten hat.
Sehr traurig war leider der kurzfristige Abbruch meiner Zeit in Benin aufgrund der Corona-Krise. Nachdem die Reisegruppe fast über Nacht die vorzeitige Abreise antrat, wurden kurz darauf auch alle Freiwilligen von ihren Organisationen evakuiert (dies geschah übrigens weltweit und Tausende haben ihre tollen Projekte und Leben abbrechen müssen um dann ohne Alternativplan in der Heimat anzukommen). Da auch für mich die Ausreise immer unsicherer wurde, buchte ich einen der wenigen Flüge, die es noch Richtung Europa gab. Es tat v.a. weh meine so sehr liebgewonnene Mitbewohnerin dabei zu begleiten, sich von allen Freunden, den Kollegen, ihrem Freund und allen Bekannten so ungeplant zu verabschieden und innerhalb einer Nacht einen ganzen Haushalt aufzulösen.
Trotz dieses traurigen, abrupten Endes, überwiegt jedoch nun nach einiger Zeit der Verarbeitung und Reflexion bei mir das schöne, sonnige, positive, herzliche und tief-verbundene Lebensgefühl wenn ich an meine so wertvolle Zeit in Benin denke und alles, was vor Ort nicht mehr geschafft wurde, wird nun über digitale Kanäle weitergeführt!

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