Stellungnahme

7.12.2016

Stellungnahme von Weitblick e.V. zu den Reaktionen und der aktuellen Berichterstattung zum Mord an Maria L.

Zu den Reaktionen und der aktuellen Berichterstattung zum Mord an Maria L. möchten wir von Weitblick Freiburg e.V. sowie vom Bundesverband Weitblick e.V. als Dachverband aller Weitblick-Vereine Stellung beziehen. Wir, als Vereinsmitglieder, Kommiliton*innen und Freund*innen von Maria, sind tief betroffen von ihrem Tod und trauern weiterhin um sie und mit ihrer Familie. Schockiert sind wir darüber hinaus von der Art und Weise, wie die furchtbare Tat nun für rassistische und beleidigende Thesen und Schlussfolgerungen instrumentalisiert wurde und wird.

Weitblick e.V. ist eine ehrenamtliche Studierendeninitiative, die sich in 16 Weitblick-Vereinen in Deutschland für einen gerechteren Zugang zu Bildung einsetzt, um so lokal und weltweit soziale Ungerechtigkeit zu bekämpfen.

Maria L. engagierte sich seit Anfang des vergangenen Semesters bei Weitblick Freiburg e.V. im Arbeitskreis “International”. Gemeinsam mit anderen Vereinsmitgliedern organisierte sie Aktionen, um Spenden für die Renovierung einer Grundschule in Ghana zu sammeln. Maria war in unserem Verein dementsprechend nicht in der Hilfe für Geflüchtete aktiv, sondern im Bereich der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Die Spenden, die im Zuge der Traueranzeige bei uns eingingen, werden in ihrem Sinne auch für die Renovierung der Grundschule in Ghana eingesetzt, um weiterzuführen, wofür sie sich engagiert hat. Weitblick Freiburg e.V. selbst hat diesen Spendenaufruf nicht initiiert. Wir haben bisher keine Traueranzeige oder Stellungnahme auf unserer Website oder Facebook-Seite veröffentlicht, da wir von der Kriminalpolizei darum gebeten wurden, bis zur Beendigung der Ermittlungsarbeiten darauf zu verzichten.

Am vergangenen Wochenende, 3. und 4. Dezember 2016, erhielten wir infolge der Inhaftierung des Verdächtigten und aufgrund dessen Nationalität über unsere Facebook-Seite und über unsere öffentlichen wie auch privaten Email-Konten Kommentare und Nachrichten, die zum überwiegenden Teil rassistische, beleidigende und teilweise strafrechtlich verfolgbare Aussagen enthielten. Um dieser Situation angemessen zu begegnen und eine gemeinsame öffentliche Stellungnahme zu erarbeiten, deaktivierten wir die Seite am Sonntag vorübergehend. Aufgrund fehlender sachlicher Gesprächsbereitschaft seitens der Kommentatoren, sahen wir nicht die Möglichkeiten einer angemessenen und ausgeglichenen Diskussion. Auch wollten und wollen wir rassistischen, tendenziösen und haltlosen Aussagen und Anschuldigungen keine Plattform bieten.

Als Verein ist es uns an dieser Stelle noch einmal wichtig zu betonen, dass es sich bei dem Vorfall aus unserer Sicht um einen verabscheuungswürdigen Einzelfall handelt. Wir finden es inakzeptabel, aufgrund eines einzigen verdächtigten Täters pauschal und voreilig auf alle Geflüchteten oder auf einzelne Gruppen Geflüchteter zu schließen. Kollektivstrafen sind in einem Rechtsstaat nicht angemessen. Wir verurteilen die auf Facebook geposteten, beleidigenden und rassistischen Kommentare scharf und werden in entsprechenden Fällen Anzeige erstatten. Als Mitglieder und Mitgestaltende dieser Gesellschaft möchten wir uns einem kritischen Diskurs natürlich nicht entziehen. Um die dafür nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, fordern wir jedoch eine sachlichere und faktenbasierte Diskussionskultur sowohl im persönlichen Umgang miteinander als auch vor allem in den sozialen Netzwerken. Wir werden unsere Arbeit entschlossen fortführen – denn gerade jetzt ist Bildungsarbeit äußerst wichtig.

  

Was ist Weitblick e.V.?

2008 wurde Weitblick als Studierendeninitiative zunächst in Münster gegründet und ist seitdem stark gewachsen. Derzeit hat Weitblick über 2000 Mitglieder in 16 Städten Deutschlands. Seit 2011 gibt es Weitblick auch in Freiburg.  Unter dem Motto "Bildungschancen weltweit" engagieren sich viele junge Menschen bundesweit ehrenamtlich für eine Vielzahl an Bildungsprojekten von Weitblick.  So fördern wir in über 30 Partnerländern weltweit Projekte wie Schulbauprojekte, Universitätsbauprojekte, Bibliotheken, Ausbildungswerkstätten und Waisenprojekte.

Darüber hinaus sind wir auch in Deutschland aktiv und organisieren Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen, Nachhaltigkeitsprojekte, Bildungsfahrten und Bildungspatenschaften mit Kindern aus sozialschwächeren Familien. Diese Patenschaften umschließen sowohl Kinder aus nach Deutschland geflüchteten Familien, wie auch Kinder, die aus anderen Gründen einen weniger ausgeprägten Zugang zu Bildung haben. Außerdem sind wir überzeugt, dass Begegnungen sehr wichtig sind, um Vorurteilen gegenüber anderen Kulturen entgegenzutreten. Daher ist ein weiterer wichtiger Bestandteil unserer Arbeit der interkulturelle Austausch.

Weitblick ist gemeinnützig und lebt von den Ideen und dem ehrenamtlichen Engagement der Mitglieder. Die Finanzierung unserer Projekte stellen wir durch zahlreiche Aktionen, wie etwa Spendenläufe oder Benefiz-Partys sicher, ebenso wie auch durch die finanzielle Unterstützung von Freunden und Förderern. Als Studierendeninitiative möchten wir Studierenden aller Fachrichtungen die Möglichkeit bieten, sich neben dem Studium gesellschaftlich zu engagieren und ihr eigenes Wissen, sowie ihre Talente und Fähigkeiten für soziale Projekte einzusetzen.